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Das neue Radio

April 30, 2021 — Mischka

Mein Lieblingsmensch hat ein neues Radio gekauft, es kann DAB+ empfangen und außerdem UKW (was für mein Retroherz) und Radiostreams aus dem Internet. Optisch und haptisch ist das Ding nicht so der Hit, aber es macht, was es machen soll - wenn auch die Bedienung recht umständlich ist... "neue" technische Dinge müssen wohl immer relativ umständlich zu konfigurieren sein, damit sich die technisch versierte Person im Haushalt irgendwie mächtig fühlen kann.

radio

In unserem Fall sind wir beide recht versiert im Umgang mit Technik, aber wir lieben auch einfach gute Benutzerschnittstellen. Unser neues Radio hat die nicht.

Aber: es hängt in unserem LAN, und da dachte ich mir, schauste doch mal ob mensch es nicht auch übers Netz bedienen kann. Stellt sich heraus, es gibt eine (in der Bedienungsanleitung nicht erwähnte) Weboberfläche. Dort kann man die Wifi-Creds eingeben - fragt sich nur wie man da drauf kommt solange das Radio nicht im Wifi hängt. Aber immerhin verrät sie, was im Radio steckt.

Der Hersteller Technisat hat hier nämlich nix selbst entwickelt, sondern nutzt einen Chip der Firma Frontier Smart Technologies und baut dann nur noch ein Gehäuse rundherum. Und diesen Chip nutzen anscheind hunderte so genannte "Smart Radios".

Mit diesem Wissen findet man im Netz schnell die wichtigste Information: es gibt eine REST API und ein paar Nerds haben die auch soweit dokumentiert, dass die Funktionen des Radios nun per curl-Fernbedienung zur Verfügung stehen.

Per http-Abfragen lassen sich Lautstärke regulieren, das Radio ausschalten oder Sender wählen. Einem kleinen Prank steht also nichts im Wege sofern man sich im selben Netzwerk befindet.

Das geht allerdings natürlich auch alles per App, allerdings nicht mit der kaputten von Technisat, die eigentlich nur Produktwerbung ist, sondern mit der vom Chiphersteller FrontierSmart. Ist dann aber nicht so nerdy 🤓.

Tags: radio, technik

Pocket Chip

February 02, 2021 — Mischka

PocketChip ist ein retro Taschencomputer. Leider ist das Unternehmen hinter dem kleinen Hackerbegleiter seit einigen Jahren tot - aber es gibt eine kleine Community auf reddit, die das Gerät ein wenig hegt und pflegt.

Meinen PocketChip habe ich vor kurzem rausgekramt und auf Debian 10 aktualisiert, was Softwareupdates bis 2024 verspricht. Ich habe mich dabei an dieses Tutorial gehalten:

PocketChip Debian 10

Downsides des Upgrades:

  • Das Gerät hat eine spezielle Tastaturbelegung. Diese ist nach dem Upgrade erstmal nicht mehr nutzbar. Auf der grafischen Oberfläche fixt man das mit folgendem Befehl:

    xmodmap .Xmodmap

  • Auch der Homebutton funktioniert nicht mehr richtig: er ist nun mit einem Power-Off verknüpft. Um dieses Verhalten zu beenden bearbeitet man /etc/systemd/logind.conf, indem man folgende Zeile bearbeitet:

    HandlePowerKey=poweroff

wird zu

HandlePowerKey=ignore
  • pico8 funktioniert nicht mehr, da offenbar eine lib upgegraded wurde, die pico8 in einer älteren Version benötigt. Leider habe ich noch nicht rausgefunden, wie man das fixt.

Quellen für die tweaks

Tags: pocketchip, pico8, linux, handheld

Talks vom rc3

January 03, 2021 — Mischka

hier entsteht eine Liste von Talks, die ich beim rc3 interessant fand. Die Liste wächst noch, da ich noch nicht alle Talks angeschaut habe, die ich sehen will.

Tags: c3, rc3, talks, vorträge

Millie and Molly (C64)

December 15, 2020 — Mischka

Ich mag Puzzler. Und wenn es dann noch so ein liebevoll gestalteter Puzzler für den Commodore 64 ist, in dem es zwei weibliche Protagonistinnen gibt, kann ich nicht nein sagen und muss ihn zumindest mal ausprobieren.

millie and molly start screen

Aus dem Ausprobieren wurde ein Abendfüllendes Programm, denn nach jedem der kurzweiligen Level hatte ich das Gefühl.. eins geht noch. Auch wenn man das Spiel jederzeit unterbrechen kann, da man mit Levelcodes wieder an einem beliegigen bereits gespielten Level wieder einsteigen kann.

Jedes Level ist eine Puzzle-Herausforderung, an der Freunde von Spielen wie Sokoban ihre Freude haben könnten. Es gilt die "Monster", naja, jedenfalls die Figuren zu eliminieren, indem man sie berührt. Anfangs sind das Teddybären und so hat das Spiel durchaus was von der Horrorfilm-Ästetik der 80er Jahre, zumal die beiden Schwestern aussehen, als würden sie dem frühen 20. Jahrhundert entspringen.

Die feindlichen Entitäten erledigt man, indem man die Spielfigur auf sie zubewegt. Interessant ist bei dem Spiel, wie man sie erreicht. Es geht jeweils darum, ein Puzzle aus Gravitation, Leitern und Gegenständen in der richtigen Reihenfolge zu lösen, um alle feindlichen Entitäten zu auszulöschen.

Während die Spieler*in Anfangs noch allein unterwegs ist, bekommt sie einige Level später Verstärkung von ihrer Schwester(?). Mit der Feuertaste am Joystick wechselst du zwischen den Spielfiguren. Die jeweils nicht gesteuerte Spielfigur friert ein und man kann sie als Brücke nutzen.

Während der Anfang ziemlich einfach ist, wird es ungefähr ab Level 35 kniffliger. Klar ist, das jedes Level lösbar ist, also streng deinen Kopf richtig an!

millie and molly screen level 47

Ich bin gerade bei Level 47...

Noch ein paar Worte zur Gestaltung. Der Startbildschirm bietet keine besonderheiten. Grafisch ist das Spiel auf den Niveau eines kommerziellen C64 Spiels der 90er. Die Sprites und Tiles sind gut gestaltet und unterstützen das Gameplay und die Stimmung gut. Klanglich macht das Spiel einiges her. Die Musik ist stimmungsvoll und eingängig. Die Melodien wären zwar durchaus ausbaufähig, sie untermalen das Spiel aber stimmungsvoll und durchaus passend.

Millie and Molly sind momentan als kostenpflichtiger Download bei itch.io erhältlich. Für Puzzle- und C64-Fans sind die 3$ aber gut investiert.

Free your smart home

August 13, 2019 — Mischka

Fürs Camp vom Chaos Computer Club hab ich diesmal ein paar OBI Wifi-Steckdosen gekauft. Die gibts für ca. 18€ im 2er-Pack. Wie viele billige "Smart-Home"-Geräte verwenden diese eine Variante des unter Makern und Bastlern beliebten WLAN Controllers ESP8266. Problem bei diesen Billig-Geräten: sie verstehen nichts von Datenschutz und Privatsphäre. Sie werden in der Regel mit Apps der Chinesischen Hersteller gesteuert und senden, wenn sie einmal im Internet sind, viele Daten an die Server des Herstellers. Bei einer solchen Steckdose kann das der ungefähre Standort sein, sowie ob das Gerät gerade an- oder ausgeschaltet ist. Mit etwas Rechercheaufwand lässt sich die IP-Adresse bis zu einem Anschlussinhaber ermitteln. Bei einer einzigen Steckdose, die über das Internet geschaltet wird, mag das noch kein großes Problem sein. Ist das ganze "Schlaue Haus" mit solchen Wanzen ausgestattet, lassen sich Gewohnheiten ableiten und sogar (wenn es böse Absichten (oder Hackerangriffe) gibt) die Haussteuerung manipulieren.

Das Smarte Home kann durch proprietäre Software zum Alptraum werden. Ein Datenschutzalprtraum ist es bereits.

Deshalb ist es wichtig, sich auch mit dieser "Zukunftstechnologie" zu beschäftigen. Auch wenn sie von den meisten noch belächelt wird - das so genannte Internet of Things wird in näherer Zukunft einzug in unsere Wohnungen halten - und damit Hintertürchen für die Überwachung öffnen.

Zeit also, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Für den verbreiteten Chip ESP8622 gibt es bereits die freie Firmware Tasmota. Diese lässt sich mit ein paar Handgriffen auf die Smarte Steckdose und andere Geräte flashen und dann in eine freie Infrastruktur einbinden.

Auf dem Camp werde ich ein paar solcher Steckdosen dabei haben. Wir werden sie öffnen, ein paar Kabel an die Platine löten um sie über einen Seriell-zu-USB-Adapter mit dem Rechner zu verbinden.

Dann kommt eine neue Firmware auf den Chip und kann getestet werden.

Tags: smart-home, ESP8622, Wifi-Steckdose, Tasmota

Lunch Break

June 18, 2019 — Mischka

Das Minigame Lunch Break wurde im Rahmen des GameJams "The Organizing at Work" auf itch.io veröffentlicht.

Du spielst einen Gewerkschaftsaktivisten, der in der Mittagspause versucht, seine Kolleg*innen von der Sinnhaftigkeit der gewerkschaftlichen Organisierung zu überzeugen. Leider ist auch der klischeehaft dicke Boss mit Anzug und Zylinder vor Ort und droht mit Entlassung sobald er von Deinen Aktivitäten erfährt.

Das Spiel bildet die Schwierigkeiten, seine Kolleginnen für die Gewerkschaft zu gewinnen sehr gut ab. Zwar ist es (in Deutschland) erlaubt während der Mittagspause auch in den Räumen des Arbeitgebers für die Gewerkschaft zu werben; viele Arbeiterinnen haben dennoch Angst, der Chef könnte davon erfahren.

So ist das Spiel letztlich ziemlich realistisch: die Organisierung der Belegschaft ist ein mühseeliger, schwieriger Prozess und Arbeitgeber bemühen sich sehr wohl, Gewerkschafter_innen das Leben schwer zu machen.

Das Spiel wurde für das Sega Mega Drive geschrieben und kann mit einem entsprechenden Emulator oder möglicherweise auf Original Hardware gespielt werden.

Tags: gaming, indiegame, itch.io, parabel, political game, sega

Try harder

May 24, 2019 — Mischka

Auch wenn liberale Ideologen es uns gerne glaubhaft machen wollen: die Möglichkeiten und Vorraussetzungen, die jeder Mensch in unserer Gesellschaft sind sehr unterschiedlich. Die meisten Studien zum Beispiel nahe, dass Bildungschancen stark Klassenabhängig sind. Gute Bildung ist wiederum Vorraussetzung für gute Jobs, die ein gutes Einkommen versprechen. Kurz gesagt: Schnaps bleibt Schnaps, Arbeiterkind bleibt Arbeiterin und Bürgersohn wird Vorstandschef.

Darüber hinaus beeinflussen Merkmale wie Herkunft, Geschlecht, Behinderung oder Gesundheit welche Stellung man in der Gesellschaft erreichen kann.

Das Spiel Try ist eine Parabel darauf. Während die NPC-Wettbewerberinnen problemlos mit wenigen Hindernissen den Aufstieg schaffen, muss die Spielerin sich um viele Ecken den Weg nach oben regelrecht erkämpfen. Für sie gibt es keine Möglichkeit zu gewinnen, denn selbst wenn sie richtig hart trainieren würde, wäre sie zu langsam um sich gegen die Wettbewerberinnen durchzusetzen.

Garniert wird das ganze mit dem Satz des Devs in der Spielbeschreibung, den auch Erwerbslose und sozial benachteiligte Menschen immer wieder zu hören bekommen:

Ahh please don't complain the game is unfair because you'll start in same conditions, if you lose is because you don't strive.

Bitte jammere nicht darüber, dass das Spiel unfair ist. Jeder beginnt unter den selben Vorraussetzungen und wenn du verlierst liegt das wohl daran, dass Du dich nicht richtig anstrengst.

Tags: gaming, indiegame, itch.io, parabel, political game

Meine Commodore 64 Story

December 03, 2018 — Mischka

Mein erster Computer war ein C64. Nach der politischen Wende hat mein älterer Bruder meine Eltern dazu überredet einen Computer zu kaufen. Meine Mutter arbeitete als Redakteuerin für eine Tageszeitung und somit war klar, dass ein Computer sehr wichtig ist :D. Also kauften meine Eltern einen gebrauchten Brotkasten mit Floppy-Laufwerk und Drucker. Dieser wurde dann aber nicht im mütterlichen Arbeitszimmer aufgebaut (dort sollte später dann ein 386er PC stehen), sondern im Kinderzimmer meines Bruders. Der war dann auch der Hauptnutzer der Kiste und es wurden Summer-, Winter- und California-Games, Maniac Masion, Börsensimulationen und was es alles gab gespielt.

c64board

Der Familiennerd war allerdings ich, der auch probierte, was man mit der Kiste noch so alles machen kann (vor allem BASIC programmieren, denn Assembler habe ich nie richtig verstanden). Nach einiger Zeit konnte ich mir den C64 unter den Nagel reißen, da mein Bruder nun zum Spielen in Mutters Arbeitszimmer (zum PC) umgezogen war.

Schon damals interessierte mich der Untergrund mehr als die kommerzielle Oberfläche, weshalb ich mir bei Stonysoft die Public bestellte und auch jede Menge PD-Disketten und Demos. Zwar war ich nie ein festes Mitglied der Szene, hatte aber ein paar Swapper-Kontakte mit denen ich regelmäßig per Post Disketten tauschte. ​

Viele von euch werden sich noch gut an den Computer Flohmarkt erinnern, eine Kleinanzeigen-Zeitschrift, die von Computerfreaks auch zur Kommunikation genutzt wurde. Im Grunde ein großes Computerforum auf Papier, bei dem man auf Antworten mindestens 1 Monat warten musste. Die C64-Rubrik wurde irgendwann so groß, dass der Verleger beschloss, daraus ein eigenes Format zu machen: Brotkasten Live. Dies wurde zwar für einge Nutzer (und wenige Nutzerinnen) ein schöner Treffpunkt, machte aber wirtschaftlich keinen Sinn, weshalb das Projekt wieder eingestellt wurde.

In meiner Enttäuschung und meinem Enthusiasmus, der mich manchmal überkommt, begann ich mit einer fotokopierten Fortsetzung "Brotkasten Light". Ein paar Exemplare müsste ich noch irgendwo rumliegen haben, falls es einen Sammler interessiert :D. Jedenfalls war das Projekt für einen Teenager etwas zu ambitioniert, so dass ich nach wenigen Ausgaben wieder aufgab.

Ich erlebte das Ende der 64er, von Magic Disk und Zzap (aus England) und als ich 19 war zog ich von Zuhause weg und mottete den C64 samt Zubehör und Diskettensammlung bei meinen Eltern auf dem Dachboden ein. (Zusätzlich gab es inzwischen auch einen KC85 mit Zubehör, den ich einem Kumpel für 20 Mark abgekauft hatte).

Jahre später holte ich das ganze Zeug nach Berlin und musste erstaunt feststellen, dass C64 und Disketten noch funktionieren. Ich konnte mich aus Nostalgischen Gründen nie von meinem Brotkasten trennen, aber er fristete lange Zeit ein Dasein in einer Kiste in der Abstellkammer. Nur manchmal holte ich ihn raus um eine Runde Giana Sisters (mein Lieblingsspiel) auf Originalhardware zu zocken.

Irgendwann gab der Brotkasten dann den Geist auf und ich besorgte mir bei E-Bay Ersatz in Form eines C64-C, auf dem ich immerhin die alten Spiele spielen konnte.

Brotkasten

Anfang des Jahres habe ich mich wieder mehr mit dem C64 beschäftigt und musste feststellen dass es nach wie vor eine lebendige Szene gibt, die sogar noch Spiele und Anwendungen entwickelt. Das hat mich sehr gefreut und ich begann, wieder tiefer einzusteigen. Ich habe in diesem Jahr 20 neue Spiele gekauft, von denen mich Sams Journey am meisten gefangen hat. Im Grunde hab ich jetzt Spiele für die nächsten zehn Jahre, denn im Alltag komme ich nicht sehr häufig dazu. Außerdem habe ich angefangen meinen Brotkasten zu reparieren, bzw. das Problem zu analysieren. Auch das zieht sich leider hin, da oft solche Dinge wie Arbeit, Partnerschaft oder Familie vorgehen.

Tags: c64, retrocomputing, commodore, vintage-computing